Backpacker oder Flashpacker, warum dieses Schubladendenken nervt

Backpacker oder Flashpacker – Warum dieses Schubladendenken nervt!

Februar 24, 2015 von Corinna - 9 Kommentare

 

Immer wieder lese ich Artikel darüber, was einen Backpacker ausmacht, was einen Flashpacker und was einen Touristen. Jedes Mal denke ich dasselbe: Netter Artikel, vielleicht was Wahres dran, aber warum muss ich mich kategorisieren lassen?

 

Warum also dieses Schubladendenken?

Weil es einfacher ist. Es gibt uns eine Orientierung. Eine Orientierung, mit der wir Menschen einordnen können. Schubladendenken steckt quasi in unserer Natur. Wir können gar nicht anders. Denken wir.

Allem muss ein Label aufgedrückt werden. Backpacker, Flashpacker, Tourist. Doch, was ist mit den Menschen, die sich in all diesen Kategorien nicht wiederfinden?

Nur so aus Spaß. Lass uns kurz die Schubladen aufmachen und sehen, was darin steckt.

 

Room Jugglers Rest

Mit Sack und Pack unterwegs

Der Backpacker

  • reist mit Rucksack
  • hat kleines Budget und gönnt sich somit recht wenig
  • reist meist für längere Zeit
  • will die Kultur und Menschen des Landes kennenlernen
  • ist in den 20ern

 

Der Flashpacker

  • reist mit Koffer
  • hat schon etwas mehr Budget und gönnt sich somit auch mehr
  • reist, wie der Backpacker, meist für längere Zeit
  • will die Kultur und Menschen des Landes kennenlernen
  • ist ab 30 Jahre alt

 

Der Tourist

  • reist mit einem oder mehreren Koffern
  • bucht häufig Pauschalreisen
  • klappert alle Sehenswürdigkeiten ab
  • gibt es in jedem Alter
  • vereist nur in seinem Urlaub

 

Das war die ganz grobe Beschreibung. Die größten Klischees mal aufgelistet. Findest Du Dich in diesen Aufzählungen wieder, oder steckst Du jetzt in einer Identitätskrise, weil Du Dich nicht einordnen kannst?

Ich reise am liebsten mit Koffer, weil mir ein großer Rucksack zu unhandlich und zu unübersichtlich ist. Trotzdem habe ich immer meinen „kleinen“ 30 Liter Rucksack dabei. Er ist einfach praktisch. Für kurze Reisen nehme ich auch schon mal nur den kleinen Rucksack, als Handgepäck mit. Bin ich jetzt Backpacker, oder schon Flashpacker, weil ich auch gerne mit Koffer reise?

 

Macht mich Sehenswürdigkeiten abklappern zum Touristen?

Schubladendenken Sehenswürdigkeiten

Sehenswürdigkeiten gehören zum Reisen dazu.

Ich mag es, mir Sehenswürdigkeiten anzuschauen, auch wenn da alles voller Menschen ist. Ich will wissen, was so interessant daran ist. Sie heißen ja nicht umsonst Sehenswürdigkeiten. Trotzdem schlendere ich durch die Städte, verlaufe mich in Ihnen und entdecke dadurch tolle Orte, die in keinem Reiseführer stehen. Manchmal stehe ich sogar vor solchen Sehenswürdigkeiten und weiß nicht mal, dass es eine ist, weil ich zu einer Tageszeit dort bin, an der die großen Massen schon weg sind. Ist mir in Innsbruck passiert. Ich esse in lokalen Geschäften, weil sie oft günstiger und netter sind. Außerdem lernt man dort die einheimische Kultur am Besten kennen.

 

Wie viel Geld macht mich zum Flashpacker?

Ich habe manchmal wenig Geld und trotzdem schaffe ich es, nicht wie ein (vermeintlich) ärmlicher Backpacker zu leben. Ich will Dinge erleben. Ich will mit einem Reifen durch eine Höhle laufen und mir dabei Glühwürmchen anschauen und ich will aus einem Flugzeug springen, wenn mir danach ist. Ich will nicht immer jeden Cent umdrehen, wenn es um Aktivitäten geht. Auch beim Essen möchte ich das nicht. Am Anfang habe ich das gemacht – und wurde krank. Deshalb kaufe ich mir, auch wenn es in manchen Ländern teurer ist, Obst und Gemüse. Beim Reisen krank sein ist einfach scheiße.

Ich fühle mich in einem Mehrbettzimmer oft genauso wohl, wie in einem Einzelzimmer. In beiden Kategorien kann ich gut oder schlecht schlafen.

Ich habe Leute kennengelernt, die reisen mit dem Rucksack durch die Welt, sind deutlich über 50 Jahre alt, laufen mit der Kamera um den Hals zur nächsten Sehenswürdigkeit und gönnen sich an einem Abend das Steak im teuren Restaurant, in dem nur vermeintliche Touristen sitzen und am anderen ein preiswertes Tagesgericht in einer kleinen Taverne voll mit Einheimischen. Sind sie jetzt Backpacker, Flashpacker oder gar Touristen?

 

Mein Fazit

Ich kann mich da nicht einordnen. Ich will es auch gar nicht. Ich bin Reisende. Punkt.

 

Übrigens: Auch ich stecke Menschen in Schubladen!

Wie gesagt, wir alle tun das. Trotzdem geben sich nur Wenige die Mühe, zu versuchen aus diesem Denken auszubrechen und da liegt der Unterschied.

Wenn jemand etwas tut, dann ist meine erste Reaktion welche? Genau! Schublade auf, Mensch rein, Schublade zu. Und wenn ich das dann gemerkt habe, dann versuche ich diese Schublade wieder aufzumachen, mir den Menschen und sein Tun noch mal genauer anzuschauen und dann zu verstehen, warum er tut, was er tut. Schließlich mag es kein Mensch in Schubladen gesteckt zu werden!

 

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