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Deutschland bald brech ich!

August 28, 2015 von Corinna - 20 Kommentare

Heute gibt es keinen Spaßbeitrag, der Dich zum Lachen bringt. Es werden ernste Töne angeschlagen. Sie sind mir zu wichtig, um sie nicht zu schreiben und ein Bild auf Instagram, reicht mir einfach nicht mehr aus.

Ich habe lange überlegt, ob ich diese Zeilen wirklich schreiben will. Ich habe lange überlegt, ob sie überhaupt in diesen Blog passen. Doch ich will sie trotzdem los werden, denn ich halte das Thema für wichtig.

Ich bin mir bewusst, dass ich Leser verlieren könnte, aber es ist mir egal. Wer mich nicht mehr lesen will, weil ich meine Meinung vertrete, oder weil ich genau diese Meinung vertrete, der ist auf meinem Blog und auf meinen Social Media Seiten, ohnehin nicht richtig! Ich will keine Rassisten hier. Ich will sie nicht in meinem Leben haben. Weder live noch virtuell!

In diesem Artikel wird es nicht um einen tollen Reisebericht gehen. Normalerweise möchte ich Dir die schönen Seiten des Lebens zeigen. Ich möchte Dir zeigen, wie Du Dir eine Auszeit nehmen kannst. Doch momentan fällt es mir zunehmend schwerer über andere Länder zu schreiben, bzw. mich auf die Schönheit dieser zu konzentrieren, wenn es in dem Land, in dem ich Lebe, immer hässlicher wird.

Erst neulich musste ich wieder in der Zeitung lesen, dass zwei betrunkene Männer (Vollidioten, Arschlöcher,…) nicht nur eine Ausländerin und ihre zwei Kinder bepöbelt haben. Das alleine hätte schon nicht mehr für Schlagzeilen gesorgt. Traurig genug. Nein, sie haben auch noch ihr Gemächt (oder sollte ich sagen, ihre armselige kleine Verwachsung im Genitalbereich) vor Kindern ausgepackt. Auch schon schlimm genug… Doch was sie dann getan haben, dafür fehlen mir die Worte. Sie haben auf die Kinder uriniert.

Ich kann überhaupt nicht sagen, was für eine Scham ich gerade für das Land empfinde, in dem ich lebe. Ich sage bewusst nicht “mein Land”, denn es fühlt sich nicht mehr so an. Ich will nicht in einem Land leben, das aus seiner Vergangenheit so überhaupt nicht gelernt hat. Es ist nicht mein Land, in dem auf unschuldige Kinder uriniert werden kann und die Täter freigelassen werden, obwohl sie bei der Polizei bekannt sind. Es ist nicht mein Land, in dem Flüchtlingsheime angezündet werden und es ist nicht mein Land, in dem Neid und Hass auf Menschen besteht, die alles verloren haben, obwohl wir alles haben.

Ja, auch hier leben Menschen am Existenzminimum. Ich zum Beispiel. Ich beziehe momentan ALG 2 – umgangssprachlich Hartz4 genannt. Ich habe nicht viel, aber ich habe ein Dach über dem Kopf und ich habe genug zu essen. Ich habe ein gemütliches Bett und ich habe auch noch meine Puppe, die ich all die Jahre überall hin mitgeschleppt habe. Samona heißt sie. Ich habe auch meine Familie und dafür bin ich unendlich dankbar, denn meine Familie ist für mich das Wichtigste!

Das alles haben die Menschen, die in diesem und anderen Ländern Zuflucht suchen, größtenteils verloren. Natürlich gibt es die Menschen, die hierher kommen, obwohl sie nicht verfolgt sind. Sie hätten nicht flüchten müssen und hoffen auf ein besseres Leben im reichen Deutschland. Ich will nicht bestreiten, dass es diese Menschen gibt. Doch um diese geht es nicht in diesem Artikel.

Es geht um die, die kein Dach mehr über dem Kopf haben. Diejenigen, die alles zurückgelassen haben. Die, die ihr Land nicht verlassen wollten, sondern mussten. Es geht um traumatisierte Kinder, die keine Samona mehr haben. Wenn sie Glück haben, dann haben sie noch ihre Eltern. Mit ein bisschen weniger Glück haben sie noch ein Elternteil. Und wenn das Glück sie komplett verlassen hat, sind sie ganz alleine. Sie sind in einem Land, dessen Sprache sie nicht sprechen und haben nichts mehr. Sie sitzen nun traumatisiert in einem Flüchtlingsheim und müssen sich nun auch noch beschimpfen lassen. Vermutlich verstehen sie nicht mal, was ihnen da entgegen geschleudert wird. Sie sehen nur den Hass in den Augen des Gegenübers. Und traurigerweise muss man sagen: Wenn sie Glück haben, dann bleibt es dabei, dass sie diesen Hass sehen. Es könnte ja auch schlimmer kommen…

Doch auch Familien, die das Glück hatten, sich nicht zu verlieren, haben kein Zuhause mehr, in das sie zurück können.

Ich frage mich in letzter Zeit immer öfter: Deutschland hast Du wirklich alles vergessen? Hast Du vergessen, wie viel Leid Du über die Menschen gebracht hast, wegen Deinem blinden Vertrauen auf einen Mann, der Angst vor dem unbekannten hatte? Einem Mann, dem viele Deutsche blind gefolgt sind und jetzt, 70 Jahre nach seinem Ableben, wieder seinen “Idealen” hinterher rennen. Viele sogar, ohne sich dessen bewusst zu sein. Ist Deutschland wirklich so zurückgeblieben?

Vor circa 70 Jahren waren wir die Menschen, die in zerbombten Städten saßen. Die alles verloren haben. Die, die flüchten mussten und die, dessen Familien auseinander gerissen waren.

Mein Urgroßvater wurde bei einem Bombenangriff getötet. Er hinterließ eine Frau und zwei kleine Kinder. Er liegt in einem Massengrab. Meine Uroma flüchtete. Nicht weit. Nur ins Sauerland. Doch hier wurde sie aufgenommen. Hier war sie sicher. Hier konnte sie ihre zwei Söhne einigermaßen sicher aufziehen, bevor es wieder sicher genug war, nach Köln zurückzukehren.

Ja, sie ist nicht in ein fremdes Land geflüchtet. Wo hätte sie auch hin gekonnt? Die Deutschen sind ja überall eingefallen. Es war nirgends wirklich sicher.

Meiner Großmutter stellen sich heute noch die Haare auf, wenn die Sirenen mit einem Probealarm getestet werden. Warum? Weil es sie an den Bombenalarm erinnert. Daran wie ihre Mutter, trotz dieser Warnung, durch den Ort lief, um ihre Kinder aus der Schule zu retten, nur um sicher zu gehen, dass sie bei ihr sind. Denn bei der Mutter sind sie schließlich sicher. Meine Oma ist 80 Jahre alt. Das sich ihre Haare aufstellen zeigt ganz klar, dass sie das Trauma nie ganz verarbeitet hat und das es immer noch tief in ihr sitzt.

Zu lange her? Na gut, spulen wir etwa 26 Jahre zurück. Ende der 80er als Deutschland noch geteilt war und so viele von Ost nach West geflüchtet sind. Nicht wenige haben dabei sogar ihr Leben gelassen. Klar kann man jetzt sagen: Das waren alles Deutsche und keine Ausländer. Trotzdem… Flucht ist Flucht. Sie sind vor einer Regierung geflohen, die ihnen nichts Gutes wollte. Sie sind vor einem Regime geflüchtet, das sie bespitzelt und schikaniert hat. Und jetzt wird die Stimme erhoben, obwohl die Menschen, die hier Zuflucht suchen, Ähnliches erleben und wahrscheinlich sogar Schlimmeres?

Ich schalte kaum noch die Nachrichten ein, weil mir mittlerweile nur noch zum Heulen ist. Nicht nur, weil mir die Menschen, die nun vor dem Terror in ihrem Land flüchten müssen, leidtun. Ich möchte auch heulen, weil mich Deutschland anekelt. Mich widert das Verhalten an und mich widert es an, das immer mehr Menschen sich so sehr bedroht fühlen, dass sie meinen demonstrieren, pöbeln oder randalieren zu müssen. Es kotzt mich an, dass das sogar teilweise noch harmlose Reaktionen sind. Ich könnte schreien, wenn ich sehe, dass Eltern ihre Kinder mit zu solchen Demos nehmen und ihnen damit so einen Hass nicht nur vorleben, sondern anerziehen. Sie demonstrieren gegen die Eröffnung eines Flüchtlingsheims in ihrer Nähe. Gegen die fremden Menschen, vor denen sie sich anscheinend so sehr fürchten.

Es ekelt mich an, dass die Politik dem so hilflos gegenübersteht. Das keine härteren Maßnahmen ergriffen werden und das nicht endlich etwas passiert. Es ist löblich das Frau Merkel angewidert von dem Verhalten ist. Es reicht aber nicht! Sie muss etwas tun. Mehr als einem Flüchtlingsmädchen den Kopf zu tätscheln, weil sie sich so gut in einem Interview geschlagen hat. Es muss durchgegriffen werden! Es wird immer nur davon geredet, dass sich die Nazizeit nicht wiederholen darf, dabei sind wir gerade auf dem besten Weg zurück in so einen Scheiß. Rechte rotten sich zusammen, infizieren immer mehr Menschen und schüren Hass und Angst.

Wenn ich weiter denke und denke, dass sich dieser Trend fortsetzen könnte, dann wird es nicht mehr lange dauern, bis wir, die die Stimme erheben, zu politischen Flüchtlingen werden.

Geschichte hat die dumme Angewohnheit, sich zu wiederholen. Wir wissen das… und schauen trotzdem nur zu.

Um ganz ehrlich zu sein. Ich will nicht diskutieren. Es ist mir in diesem Moment einfach nur ein Anliegen gewesen, mir meinen Frust von der Seele zu schreiben. Ich lese mir diesen Text nicht noch mal Wort für Wort durch. Ich weiß ich würde ihn zu sehr umändern und vielleicht sogar löschen.

Diese Worte habe ich aus dem Bauch heraus geschrieben. Ich habe vielleicht hier und da etwas wirr geschrieben, aber das ist mir auch schon egal. Ich werde vielleicht Leser dadurch verlieren. Das ist mir auch egal. Einige werden der Meinung sein, dass es nicht in diesen Blog gehört. Auch das: Egal! Mein Blog. Meine Gedanken. Meine Regeln!

Ich kann nicht über eitel Sonnenschein schreiben, wenn der Himmel vor meiner eigenen Haustür immer brauner wird. Ich kann nicht darüber schreiben, wie toll es ist, fremde Kulturen durch das Reisen kennenzulernen, wenn das Land in dem ich lebe, so viel Angst vor diesen hat, dass es sich genötigt fühlt, so viel Leid zuzulassen.

Wenn jetzt einer den Drang verspürt mir hier seine braune Meinung drunter zu schreiben. Sie wird nicht freigeschaltet. Nicht weil ich keine andere Meinung neben meiner gelten lasse, sondern einfach aus dem Grund, weil Eure braune Meinung scheiße ist. Ich werde Euch kein Forum hier bieten! Und ganz ehrlich: Irgendwie würde es mich sehr wundern, wenn ich jetzt einen miesen Kommentar hier drunter bekomme. Das hier ist schließlich überwiegend ein Reiseblog. Reisen bedeutet Aufgeschlossenheit und neue Kulturen entdecken. Welcher Rechte verliert sich schon auf so einen Blog? Das würde doch vollkommen gegen die Prinzipien verstoßen!

Ich habe diesen Artikel geschrieben, bevor ich auf die Aktion Blogger für Flüchtlinge gestoßen bin, dennoch finde ich die Aktion sehr gut und unterstütze sie! Ich habe bereits gespendet und fände es großartig, wenn Du es auch tun würdest! Teile die Aktion oder diesen Artikel auch gerne unter #bloggerfuerfluechtlinge

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Mein Schlußwort ist heute ein ganz einfaches: Karma ist ne miese Schlampe und irgendwann werdet ihr sie treffen, liebes, böse rechte Pack!