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Reisen mit Übergewicht – gar nicht schwer

Januar 22, 2016 von Corinna - 41 Kommentare

Wenn Du meinen Blog aufmerksam verfolgst (vor allem in den Sozialen Medien), dann wirst Du wissen, dass ich übergewichtig bin. Das nicht Mal zu knapp. Hält es mich vom Reisen ab? Nein! Dass es gar nicht so schwer ist, mit Übergewicht zu reisen, möchte ich Dir in diesem Artikel zeigen. (Man beachte bitte das Wortspiel… Manchmal bin ich schon echt ein Fuchs!)

Reisen mit Übergewicht und die Vorbereitung

Eigentlich fängt es ja schon beim Packen an. Ich brauche mehr Stoff um meinen Körper zu verhüllen und demnach auch ein wenig mehr Platz in meinem Koffer. Hier würde sich gewichtstechnisch echt eine Size 0 als nützlich erweisen und ich rede hier von dem Gewicht des Koffers. Weniger Stoff = weniger Gewicht. Trotzdem habe ich es bisher immer hin bekommen, dass ich keinen übergewichtigen Koffer hatte. Reicht ja auch, wenn es einer von uns ist.

Es ist ja jetzt auch nicht so, dass ich Zelte tragen würde (und wer was anderes behauptet, der lügt… so!), trotzdem habe ich sicherlich mit derselben Menge Klamotten einen schwereren Koffer, als eine schlanke Person. Macht aber nichts. Die paar Gramm kann man verschmerzen.

 

Reisen mit Übergewicht im Flugzeug

Hier wird es jetzt schon ein wenig kniffeliger. Ich weiß nicht, wie oft ich schon überlegt habe, mir eine Gurtverlängerung zu kaufen. Eigentlich bräuchte man da sogar zwei oder sogar noch mehr, denn es gibt ja verschiedene Flieger, mit verschiedenen Gurten und Schnallen. Fällt einem im Normalfall nicht auf, oder?

Mir schon. Weil ich mir eben schon Gedanken dazu machen musste. Jede Airline, mit der ich noch nicht geflogen bin, ist da quasi ein neuer Thrill. Ich mache mir im Vorhinein Gedanken darüber, ob der Gurt auch passt und ob dieses Mal mein erstes Mal sein wird. Der Moment, in dem ich die Stewardess peinlich berührt nach einer Gurtverlängerung fragen muss.

Toi Toi Toi ist das bisher noch nicht passiert. Ich bin sogar oft ziemlich positiv überrascht, wie weit die Gurte doch sind und wenn sie es nicht sind, dann halte ich die Luft an, bis wir die Flughöhe erreicht haben. Ich kann Dir nicht mehr sagen, welcher Flug es war, aber es gab mal einen, da habe ich den Bauch wirklich eingezogen, den Gurt zugepresst und meinen Speck dann darüber fallen lassen. Unschöne Vorstellung. Ich weiß. Aber stell Dir mal vor, wie unschön die Situation war. Als wir die Reiseflughöhe erreicht hatten, habe ich den Gurt erleichtert geöffnet und war froh das er nicht mit einem lauten Knallen auseinanderbarst und meinem Nachbarn um die Ohren geflogen ist. Wobei ich die Vorstellung schon irgendwie lustig finde… Stellt Euch mal die Schlagzeile vor:

Fluggast von geplatzem Gurt getroffen. Gebrochene Nase! Notlandung! Krankenhaus!

 

Ich weiß. Ich sollte für die Bild arbeiten.

Doch die Gurte alleine sind ja nicht alles, denn zu dem Gurt gehört in der Regel auch ein Sitz. (Ich warte ja noch auf Stehplätze, weil die Airlines Kosten sparen wollen). Gott sei Dank habe ich noch nie jemanden gehabt, der mir sagte, ich müsste einen zweiten Sitz dazu kaufen (und ich hoffe, so weit wird es auch nie kommen), aber die Sitze sind trotzdem ein Problem – vor allem auf Kurzstrecken.

Bin ich als Erste in der Reihe, dann wird sofort die Armlehne hochgeklappt. Erstens gibt es dann keine Streitereien und zweitens ist es bequemer. Ja, da bin ich egoistisch! Ist die Lehne runter geklappt, geht es natürlich auch, aber irgendwie fühlt man sich eingepresst. Leider habe ich das öfter mit Stühlen, die eine Lehne besitzen.

Reisen mit Übergewicht

Auch mit Übergewicht kann man beim Reisen Spaß haben und Sprungbilder machen. Man kommt nur schneller wieder runter.

Ryanair hat sogar mal überlegt eine Fat-Tax einzuführen. Ich als Übergewichtige finde das natürlich unverschämt. Ich kann nachvollziehen, dass es für die Flugunternehmen unangenehm ist, aber ganz ehrlich? So was finde ich beleidigend. Dann könnten sie auch sagen: „Wir pfeifen auf Sitzplatzreservierungen. Wir suchen uns jetzt jemanden mit Untergewicht und die beiden sitzen dann nebeneinander!“ Dann haben wir wenigstens Fat- und Skinny – Shaming in einem Paket.

Sich dann auch noch mit dem Gesundheitsaspekt, der Ryanair ja ach so doll am Herzen liegt, rauszureden, ist dazu noch eine Frechheit. Die Umfrage zeigte nämlich deutlich, dass es nicht um die Gesundheit geht, sonst hätte man ja keine machen müssen. Es geht darum, wie man mehr Geld aus dem Kunden pressen kann.

Da es diese Fat-Tax aber nicht gibt (zum Glück!), fliege ich auch noch mit Ryanair. Da muss ich meinen Stolz dann mal runterschlucken, denn mein Portemonnaie schreit sonst, dass es hunger hat. Reicht ja, wenn ich das schreie.

Noch eine Sache, auf die man mit Sicherheit achten muss, wenn man beleibter ist: die Thrombosegefahr. Mit Übergewicht hat man einfach ein erhöhtes Risiko. Das ist leider ein Fakt. Aus diesem Grund musste ich mir auch eine Spritze setzen, als es für mich nach Neuseeland ging. Und das als Spritzenphobiker. Na Halleluja. Ging aber alles, auch wenn es keinen Spaß gemacht hat.

Kleiner Tipp am Rande. Ob Übergewicht oder nicht, zieh Dir Schuhe an, in die Du auch mit angeschwollenen Füßen wieder rein kommst. Im Flieger können die nämlich enorm wachsen. Eine Thrombosespritze kann für Dich auch ohne Übergewicht wichtig sein. Sprich da vorher mit Deinem Arzt drüber!

Du siehst, Reisen mit Übergewicht im Flieger kann tricky sein, muss es aber nicht. Es gibt kleine Tricks und  Kniffe und eigentlich macht mir fliegen sogar Spaß. Ich freue mich immer darauf.

 

Reisen mit Übergewicht im Hotel

Im Hotel (oder auch im Hostel) gibt es eigentlich nur einen kleinen aber feinen Unterschied. Übergewichtige haben oft Probleme mit den Betten. Zu weich oder zu hart oder zu durchgelegen.  Die Wirbelsäule hat eh schon schwer zu tragen und wenn dann noch das Bett nicht richtig ist, dann ist das oft der Tod für den Rücken. Kein Wunder also, das ich als erstes mein Bett begrüße, wenn ich nach einer Reise wieder daheim bin.

Je nach Gewichtsklasse kann es aber auch durchaus sein, dass der Lattenrost, wenn ganz billig, nicht mitmacht. Je nachdem wie lange und ausgiebig er schon verwendet wurde, springt dann auch gerne mal eine Latte raus.

Auch immer schön: Viele Hotels bieten draußen nur Plastikstühle an. Ich kann Dir sagen. Ich habe daran keine gute Erinnerung. Ich war im Urlaub auf Gran Canaria und mein damaliger Freund und ich, wollten abends noch einen Cocktail genießen. Vorweg: Ich war damals um einiges leichter, als ich es heute bin. Jedenfalls setzen wir uns auf eine der Plastikbanken, die dort standen. Ich wollte rücken… und da ist das Unglück auch schon passiert. Ich lag auf der Erde.

Als ich da so lag und entgeistert auf die zerbrochene Bank schaue, sehe ich, dass dort eine Schraube aus dem Bein schaut. Es wurde also schon mal versucht, sie zu flicken. Auf eine nicht besonders clevere Art und Weise, wie ich finde. Wer schraubt schon eine Schraube in so ein Plastik? Das muss doch brechen. Na ja… als wäre das noch nicht schlimm genug gewesen, musste ich mir dann noch das Gegröle ein paar Halbstarker anhören, die sich über „die Fette“ lustig gemacht haben, die zu schwer für die Bank war. Blöd.

Heute kann ich über so etwas lachen. Damals wollte ich eher heulen.

Ein Problem, welches ich auch schon einmal im Artikel über das Tropical Island angesprochen habe, gibt es auch in Hotels. Die Hotelpools und ihre Leitern. Oft sind die schon sehr schmal. Ein gut gebauter Hintern wie meiner schiebt sich da nur äußerst unelegant durch. Doch lieber so, als sich am Beckenrand raus zu ziehen. Das sieht, zumindest bei mir, nämlich noch deutlich uneleganter aus.

 

Reisen mit Übergewicht am Strand

Reisen mit Übergewicht Baden

Mein Körper ist mir nicht peinlich. Ich zeige mich auch im Badeanzug!

Ich habe eine Sache nicht, mit der sich viele mit zu vielen Pfunden leider rumschlagen: Ich schäme mich nicht für meinen Körper! Ich gehe nackt in die Sauna und ich gehe im Badeanzug an den Strand und ins Schwimmbad. Ich denke da ehrlich gesagt überhaupt nicht drüber nach. Viel mehr, als für meine Rollen, schäme ich mich, wenn ich mal wieder vergessen habe meine Bikinzone oder die Beine zu rasieren. Was ich trotzdem nicht mache: Bikini tragen. Ich habe einen Tankini und den finde ich super.

Ich weiß das es vielen Übergewichtigen (gerade den Frauen) schwerfällt, sich zu zeigen. Sie fühlen sich einfach nicht schön. Ich finde das blöd. Ich würde diesen Personen gerne die Scham und Angst nehmen, die sie haben, aber ich denke, egal was ich jetzt schreibe, es wird nichts bringen. Die Angst sitzt oft tief und da reichen ein paar warme Worte einfach nicht. Viel wichtiger finde ich es, an dieser Stelle mal zu sagen: Wenn Du Dicke auslachst, dann schau mal in den Spiegel. Es gibt mit Sicherheit etwas, dass Du nicht schön an Dir findest. Deine Nase vielleicht? Die zu kleinen Brüste? Vielleicht ist Dein Körper auch „perfekt“, aber weißt Du, was dann nicht perfekt an Dir ist? Dein Charakter! Man macht sich nicht über andere lustig und man erfreut sich auch nicht an deren Leid. 

So… musste mal gesagt werden.

 

Reisen mit Übergewicht unterwegs

Da ich in den Kommentaren darauf aufmerksam gemacht wurde, wollte ich das hier noch nachtragen. Ich kann nicht glauben, dass ich das vergessen habe!

Übergewichtig zu sein heißt nicht gleich, unfit zu sein. Genau so wenig, wie es heißt, fit zu sein, nur weil man schlank ist. Zugegeben: Ich bin gnadenlos untrainiert. Ich gerate schon ins Hecheln, wenn ich Treppen steige. Wandern mag ich gar nicht. Laufen ist einfach nicht meins. Nur weil das bei mir so ist, heißt das aber nicht, dass es generell so ist. Manche Menschen haben einfach die Veranlagung speckig auszusehen. Ich kenne durchaus Leute, die super fit sind und Sport machen und trotzdem nicht danach aussehen.

Don’t judge a book by it’s Cover!

Trotzdem überlege ich mir manchmal genauer, was ich nun mache. Ich kann leider nicht an jeder Aktivität teilnehmen. Meinen Skydive hätte ich fast nicht machen können, denn obwohl ich mega viel in Neuseeland abgenommen habe, war ich immer noch 8 kg über dem Limit. Ich hatte aber Glück, denn das Wetter war ideal und so konnte ich den Sprung doch wagen. Ein einmaliges Erlebnis!

Must Dos Neuseeland Skydive Aussteigen

Seitdem habe ich aber wieder zugenommen und es ist durchaus so, dass ich Dinge machen möchte, für die ich einfach zu schwer bin. Das ist doof, muss ich aber einsehen. Trotzdem hält mich das nicht davon ab, auf anderen Wegen Spaß zu haben.

Du siehst, es gibt einiges, über das sich Übergewichtige sich Gedanken machen. (Oder besser gesagt ich, denn ich kann ja nicht für alle sprechen.) Trotz all dem finde ich aber, dass dies „Hindernisse“ sind, die sich durchaus bewältigen lassen.

Reisen mit Übergewicht ist also überhaupt nicht schwer!

Ich habe diesen Artikel jetzt nicht geschrieben, um alle in eine Schublade zu stecken. Ich habe diese Zeilen geschrieben, weil ich schon auf das Thema angesprochen wurde und deshalb wollte ich Dir einen kleinen Einblick in meine Gedankenwelt schenken. Momentan ist das Thema Gewicht nämlich auch eines, über das ich nachdenken muss. Versteh mich jetzt nicht falsch. Ich schäme mich nicht für meinen Körper! Auf keinen Fall, aber meine Gesundheit leidet langsam aber sicher. Mein Blutdruck ist jenseits von Gut und Böse und die ersten Wehwehchen machen sich halt auch bemerkbar. Ich finde einfach, dass ich mit Anfang 30 noch deutlich zu jung bin, um gebrechlich zu werden.

Und genau deshalb werde ich 2016 ein wenig ändern.

Keine Sorge. Für Dich bleibt alles beim Alten. Fast zumindest, denn ich möchte Dich an meiner Reise teilhaben lassen. Ich möchte auf jeden Fall dieses Jahr wieder ein wenig länger weg und ich denke, das wird mir, meinem Kopf und auch meinem Körper sehr gut tun.

Noch ist nichts in trockenen Tüchern, aber sobald es so weit ist, dann wirst Du es, an dieser Stelle, als Erster erfahren. Ich freue mich auf jeden Fall auf meine Reise und ich hoffe, Du freust Dich, wenn ich Dich mit auf die Reise nehme.

Bist Du vielleicht auch Übergewichtig und reist gerne? Hast Du dabei schon Schwierigkeiten erlebt, oder klappt immer alles wie am Schnürchen? Ich würde mich über Deine Erfahrungen in den Kommentaren freuen.