Nachdem ich ja vor einiger Zeit schon eine Woche in Innsbruck zum Einarbeiten war, bin ich nun in Wien wieder zum Zirkus dazugestoßen. Die Premierenwoche war ganz schön heftig und es verspricht nicht unbedingt ruhiger zu werden!

 

Morgen ist mein erster freier Tag! Und ich kann ihn echt gebrauchen! Ich habe gerade meinen Arbeitstag an der Zirkuskasse hinter mich gebracht und sitze hier, mit Blick auf das Wiener Rathaus und schreibe diesen Text.

Der Ausblick entschädigt echt für einiges sag ich Dir! Vor allem am Abend! Es ist einfach einmalig schön, das Rathaus so beleuchtet zu sehen!

Da jetzt jemand den Wunsch geäußert hat, ob ich mal einen Tagesablauf beschreiben könnte und ich die Idee super fand, komme ich dieser Bitte doch auch gleich mal nach.

Vorneweg: Kein Tag ist wie der andere! Deshalb ist dies mein, nicht immer ganz Ernst zu nehmender Tagesablauf im Zirkus:

 

8.00 Uhr

Der Wecker klingelt! Nur noch 5 Minuten Mami! Mal kurz mit einem Fuß unter der Bettdecke vorgefühlt… Bäh! Kalt! Ich will nicht!!!

8.05 Uhr

Aufstehen! JETZT! Ein Blick in meinen kleinen Spiegel… Ach du Sch…reck! Wer ist das? Mit Schrecken stelle ich fest, dass ich mich da aus verschlafenen Augen selber anschaue! Na dann schleppe ich das Paar Augenringe mal unter die Dusche!

8.10 Uhr

Ab in den Bademantel und in die Flip Flops und auf zum Duschwagen. Gott sei Dank ist er in Wien nur ein paar Meter weiter. So ganz anders als die Toiletten! Da überlegt man sich zweimal ob man wirklich mal muss, oder auch ob man Abends noch durstig ist. Einen Schritt hinaus getreten… Verdammt. Es regnet! Ich wollte doch erst im Duschwagen duschen! Menno! Also einen Schritt schneller gegangen!

8.13 Uhr

Hallo heißes Wasser! Die andere Dusche ist auch besetzt. Bevor ich also das heiße Wasser aufdrehe, schreie ich erst mal laut “ACHTUNG!” Warum? Weil erstens der Druck in der zweiten Dusche nachlässt und weil das Wasser etwas kälter wird wenn ich das warme Wasser aufdrehe. Um dem anderen keinen Schock zu verpassen, gehört es sich also vorzuwarnen.

08.15 Uhr

Keiner mehr in der anderen Dusche… Ich bin alleine mit meinem heißen Wasser das mit ordentlichem Druck aus der Leitung schießt! Endlich kann ich singen! “I’m singing in the rain….”

8.30 Uhr

Schweren Herzens verlasse ich das warme Wasser um es wieder gegen kaltes einzutauschen. Es regnet immer noch! Also im Laufschritt zurück zum Abteil und aufhübschen für den Arbeitstag!

9.00 Uhr

Ich habe wieder ein Gesicht! Nach dem schminken und natürlich anziehen (nicht unbedingt in der Reihenfolge) setzte ich mich noch mal hin und lese ein wenig – Emails oder auch ein Buch! Eher zweiteres! Man will ja nicht verdummen! (An dieser Stelle verschweige ich besser, dass es sich um die “Liebe geht durch alle Zeiten” Bücher handelt, die ich jetzt schon zum zweiten Mal lese!)

9.30 Uhr

Zeit sich aufzuraffen! Ich packe meinen Kindle in meine Tasche. (Man gibt die Hoffnung schließlich nicht auf, dass mal 5 Minuten keine Menschen anstehen um Karten zu kaufen! In Wien eher ein utopischer Gedanke.) Mein Teller und das Besteck noch dazu und eine Flasche Wasser! Den Teller sowie das Besteck brauche ich später beim Mittagessen. Damit ich mir einen Weg spare, nehme ich die Sachen schonmal mit in die Kasse.

9.33 Uhr

Bevor ich zur Kasse gehe, gehe ich erstmal noch zum Klo! Es liegt ja auf dem Weg! Wer hätte gedacht, das ich mal taktisch meine Toilettengänge plane?!

9.40 Uhr

Auf zur Arbeit! PC hoch fahren, Programm starten, Kasse aufschließen und nochmal schnell die Zeitung im Internet lesen, bevor ich die Kasse auf mache!

Zirkuskasse Roncalli

Die Zirkuskasse

10.00 Uhr

Rollos hoch und Kassenfenster aufgemacht! Die Kasse ist geöffnet.
„Grüß Gott! Was kann ich für sie tun? Karten in der besten Kategorie?? Tut mir leid! Ist schon für die ganze Zeit ausverkauft! Ich kann Ihnen noch etwas hier oben anbieten! Nein das ist nicht zu weit weg! Das sind nur 10 Meter!“

11.00 Uhr

„5 Plätze in der ersten Kategorie? Tut mir Leid! Da haben wir leider keine mehr. Nein, auch nicht am Samstag wir sind da die ganze Spielzeit ausverkauft. Nein Sonntag geht da auch nicht!“

12.00 Uhr

PAUSE! Mittagessen! YUMMY! Teller aus der Tasche gefischt und ab zum Café des Artisten! Mir wurde schon am Anfang gesagt, dass es ein wenig wie im Knast ist. Nur das Essen ist besser!!!! Man gibt halt seinen Teller durchs Fenster und bekommt ihn voll Essen zurück! Aber wir sitzen viel schöner als im Gefängniss! Das Café ist echt nett unter seinen drei Zelthöckern! Im Regen müssen wir also nicht sitzen! Mitlerweile hat es aber auch aufgehört!

12.15 Uhr

Schnell den Teller abwaschen, ins Abteil geschmissen und zurück laufen. Vorher nochmal aufs Klo! Es liegt ja auf dem Weg! Planung ist alles!

12.30 Uhr

Ich mache die Kasse wieder auf, damit die Kollegen auch etwas zu essen bekommen!

13.10 Uhr

Gerade mal nichts los. Das gibt mir Zeit eine Asiatin zu beobachten, die ihr übergroßes Smartphone (Nein, es ist kein Tablett!) in eine Vorrichtung gesteckt hat, mit der es sich leichter Selfies machen lässt! Ich wusste das es das für Kameras und Go Pros gibt, aber für Smartphones?! Selfie Level: Asian!

14.00 Uhr

„Nein diese Kategorie ist für die ganze Spielzeit ausverkauft. Ja auch am Abend! Ich kann ihnen noch den Rang anbieten! Da haben sie aber freie Platzwahl.“

Die Artisten machen sich langsam fertig für die erste Show.

15.00 Uhr

Nochmal Pause! Auf dem Weg zum Abteil mache ich noch schnell einen Abstecher zum Klo! Es liegt ja auf dem Weg! Die ersten Menschen stehen schon für die erste Vorstellung des Tages um 16.00 Uhr an. In den Rängen ist freie Platzwahl und jeder will den besten Platz. Da heißt es früh anstellen! Die Orgel spielt auch schon Musik. Das Zeichen, das in einer halben Stunde der Einlass beginnt.

15.30 Uhr

Wieder in der Kasse! Karten verkaufen! Karten auf andere Tage umbuchen. Programmhefte verkaufen. Kunden beraten, wo sie am besten noch sitzen können. Kunden sagen, das die erste Kategorie für die komplette Spielzeit leider schon ausverkauft ist.

Der Einlass für die Vorstellung beginnt pünktlich. Die Karten werden kontrolliert und die Gäste im Vorzelt von den Artisten und der Band begrüßt.

16.00 Uhr

Die Vorstellung beginnt und es kommen noch Gäste angerannt, die für die Vorstellung Karten kaufen möchten. Ein paar wenige habe ich noch! Glück für sie.

17.30 Uhr

Letzte Pause! Auf dem Weg zurück nochmal schnell zum Klo! Man hat in der Kasse ja was getrunken, weil der Hals vom vielen reden trocken wird. Außerdem liegt es auf dem Weg!

17.40 Uhr

Ich lege mal für 10 Minuten die Füße hoch. Nicht das ich nicht den ganzen Tag ohnehin sitzen würde, aber ich muss mal für 10 Minuten verschnaufen und die Augen zu machen.

18.00 Uhr

Abendessen! Es liegen, wie jeden Abend, Brötchen und Aufschnitt bereit. Ich schmiere mir zwei, esse eines und hebe mir eines für nach der Arbeit auf.

18.30 Uhr

Die Letzten 1,5 Stunden meiner Schicht brechen an! Bevor ich zur Kasse gegangen bin, war ich noch schnell auf Toilette. Liegt halt auf dem Weg!

19.00 Uhr

Es dämmert schon leicht. Der beleuchtete Zirkus vor dem beleuchteten Rathaus ist einfach einmalig schön. Schöner hätte man denPlatz wirklich nicht auswählen können. Obwohl wir ja ein deutscher Zirkus sind, ist der Herr Direktor Wiener. Ein Heimspiel also!

Ein paar Asiaten machen Bilder vom beleuchteten Zirkus. Dann kommen sie zu mir uns bitten mich um ein Bild! Uhm… Ich bin doch gar nicht kamerafein gemacht! Aber gut! The Show must go on! Ein nettes Lächeln aufgesetzt und durch das Kassenfenster in die Kamera gelächelt! Schön wenn man Menschen auch mal so einfach glücklich machen kann!!! Die ersten Menschen stellen sich schon wieder für die zweite Vorstellung in die Schlange und die Orgel legt wieder los. So langsam bekomme ich mit, das die anderen genervt sind. Ich schunkel noch zur Musik mit. Noch!

20.30 Uhr

Kassenfenster zu! Rollo runter! Lichter draußen aus! Große Rollos runter! FEIERABEND! Fast…

20.45 Uhr

Mist! Die Newsletterbox muss noch verstaut werden. Fast vergessen! Eine monströse, aber hübsche Box, die leider recht sperrig ist und in das Vorzelt verstaut werden muss! Nachdem mir, während dem Transport, mehrfach das Schild gegen den Kopf geknallt ist, habe ich für heute genug! Ab ins Bett! Aber bevor ich in mein Abteil verschwinde, gehe ich noch schnell aufs Klo! Es liegt ja auf dem Weg!

21.00 Uhr

Ich fange an diesen Bericht zu schreiben! Als ich am Ende ankomme, denke ich mir: Schön das die Kunden in Wirklichkeit oft viel unkomplizierter und netter sind! Bevor ich gleich schlafen gehe, gehe ich nochmal schnell zur Toilette! Sie liegt zwar nicht auf dem Weg, aber Nachts möchte ich den nicht unbedingt gehen!

22.00 Uhr

Bevor ich entgültig in meiner Koje verschwinde, blicke ich nochmal aus meiner Tür auf das beleuchtete Rathaus! So schön!

Tagesablauf im Zirkus - Der Blick aus meinem Abteil bei Nacht

Der Blick aus meinem Abteil bei Nacht. Folge mir auf Instagram um mehr Bilderzu sehen!

— THE END —

So in etwa sieht mein Tag aus. Ich muss dazu sagen, dass es wirklich jeden Tag anders aussieht und mein Tagesablauf wesentlich chilliger ist, als der von den Requisiteuren! Die arbeiten sich wirklich den Hintern ab und ich habe den größten Respekt vor deren Leistung! Und wenn Du die wirklich wahr Wahrheit, über ein Leben im Zirkus, wissen willst, dann schau mal hier rein.

Ich hoffe der Artikel hat Dir gefallen. Wenn Du noch Fragen zu meinem Leben beim Zirkus, oder etwas anderem hast, dann immer her damit! Ich freue mich über jeden Kommentar!

 

 

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